Simone (38)

Cancion Mixteca
Es war Liebe auf den ersten Blick, für beide. Sie verstanden sich so gut, als ob sie sich schon ewig kannten. Besser als mit jedem anderen und ohne viele Worte.
Trotz ihres katholischen Gewissens landeten sie am ersten Abend im Bett und kamen erst am nächsten Abend wieder raus.
Die Beziehung ging ein Jahr lang gut. Dann begannen sie sich wegen irgendeiner Nichtigkeit zu streiten, weil sie nicht gewohnt waren, dass es etwas zu diskutieren gab. Sie trennten sich einvernehmlich und verloren sich aus den Augen.
Beide suchten Trost in anderen Liebschaften. Er zog mit einer angehenden Theaterschauspielerin zusammen, sie entdeckte ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und verlobte sich mit einem etwas phantasielosen, aber ehrlichen Geschäftsmann.
Nach einem weiteren Jahr trafen sie sich zufällig wieder, ohne zu wissen, dass sie in der gleichen Stadt wohnten. Es war das gleiche Erlebnis wie vor zwei Jahren. Es funkte, und sie verliebten sich zum zweiten Mal auf den ersten Blick ineinander.
Noch in der gleichen Woche kündigten beide ihre Partnerschaften auf und organisierten eine gemeinsame Wohnung. Es gab Zukunft, sie fühlten Hoffnung und Glück, sie fühlten, dass sie das Richtige taten. Sie kauften eine Katze.
Kurz nachdem sie wieder zusammen wohnten, stellte sich heraus, dass sie aus ihrer Verlobungszeit schwanger war. Folglich legte ihre katholische Familie ihr nahe, diese Verbindung mit dem Schlawiner, der sich ein Jahr lang mit dieser Komödiantin herumgetrieben hatte, umgehend zu lösen.
Ihrem Gewissen und ihrer Familie zuliebe gab sie die Liebe ihres Lebens zum zweiten Mal auf und heiratete in kürzester Zeit ihren Ex-Verlobten. Der versteht bis heute kaum, wie ihm geschah. Er durfte die Katze behalten.
Heute ist sie Mutter von vier Kindern, er treibt sich weiterhin mit Schauspielerinnen herum.
Das muss ein leicht abgerupfter, hagerer Kerl mit zerrauftem Bart möglichst an einem Lagerfeuer erzählen, und Ry Cooder zupft dezent eine Blues-Ballade dazu.
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